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Abstrakte Verweisung und zumutbare Resttätigkeit beim Selbständigen

Häufig wird das Risiko hierzulande fahrlässig unterschätzt, den erlernten Beruf aufgrund von Erkrankung nicht mehr in vollem Umfang ausüben zu können. Gerade für junge Arbeitnehmer und Selbständige, die keine gesundheitlichen Probleme haben, liegt das Thema Berufsunfähigkeit in weiter Ferne.

Die Diagnose Berufsunfähigkeit wird in der Zukunft einen größeren Teil der Menschen treffen, als bisher angenommen. Statistiken belegen, dass physische Erkrankungen, gefolgt von organischen Erkrankungen und Unfällen die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit darstellen.

Besonders Personen, die freiberuflich und selbständig tätig sind, müssen bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit schwere finanzielle Einbußen hinnehmen, wenn keine private Berufsunfähigkeitsversicherung vorhanden ist. Von staatlicher Seite würde in diesem Fall lediglich die finanzielle Grundversorgung des Betroffenen durch ALG-II Maßnahmen übernommen. Dies bedeutet für den Einzelnen erhebliche finanzielle Einbußen, die einem sozialen Abstieg gleichkommen.

Als berufsunfähig werden Versicherte bezeichnet, deren Erwerbsfähigkeit aufgrund von Erkrankung oder Behinderung im Vergleich zur Erwerbsfähigkeit von seelisch, geistig und körperlich gesunden Versicherten mit vergleichbarer Ausbildung und gleichwertigen Fähigkeiten und Kenntnissen auf weniger als sechs Stunden reduziert ist.

Eine Berufsunfähigkeit liegt nicht vor, wenn eine Person eine zumutbare Tätigkeit über einen Zeitraum von täglich mindestens sechs Stunden ausüben kann. Als zumutbare Tätigkeiten werden alle Arbeiten bezeichnet, für die der Einzelne eine entsprechende Eignung und Qualifikation besitzt.

Bei der Feststellung einer Berufsunfähigkeit wird zuerst der bisherige Beruf (Hauptberuf) ermittelt. Im Anschluss wird geprüft, welche Arbeiten der Versicherte entsprechend seinem Leistungsvermögen noch verrichten kann sowie deren soziale Zumutbarkeit. Dabei muss das tägliche Leistungsvermögen des Versicherten ermittelt werden. Die Ermittlung des Hauptberufes ist die Basis, auf der die Erwerbsfähigkeit zwischen der versicherten Person und die Erwerbsfähigkeit einer körperlich und geistig gesunden Person mit gleichwertiger Ausbildung, Fähigkeiten und Kenntnissen überhaupt verglichen werden kann.