+49 (0) 89 – 886 169 info@kanzlei-gerold-stoll.de

Ausfüllen des Versicherungsvertrages

In der Praxis wird es oft so gehandhabt, dass der Versicherungsvertrag sowie die darin enthaltenen Gesundheitsfragen durch den Makler bzw. Vermittler ausgefüllt werden. Die Vermittlung bzw. der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit dem Versicherungsnehmer ist ein sehr lukratives Geschäft. Für den Abschluss eines solchen Vertrages werden erhebliche Provisionen gezahlt und der jeweilige Vermittler hat ein eigenes wirtschaftliches Interesse daran. Hierbei neigen einzelne Vermittler dazu, bei den Angaben zu den Gesundheitsfragen ein Auge zuzudrücken, vor unbequemen Angaben zurückschrecken bzw. deren Bedeutung herunterzuspielen.

Hierbei sollte der Versicherungsnehmer klar seine Position vertreten, sich nicht beeinflussen lassen und bei der Wahrheit bleiben. Im Zweifelsfall sollte man gegenüber dem Vermittler darauf bestehen, dass die Erkrankung so auch in den Antrag mit aufgenommen wird. Nicht immer ist es leicht, sich daran zu erinnern, wann man in den letzten 5 bis 10 Jahren erkrankt bzw. arbeitsunfähig war. Bei Vorerkrankungen oder chronischen Beschwerden, z. B. Allergien oder Rückenprobleme, ist es ratsam, sich an den jeweils behandelnden Arzt zu wenden mit der Bitte, eine Kopie der Krankenakte zu übersenden. Im Zweifelsfall kann man sich natürlich auch an die Krankenkasse wenden. Diese ist verpflichtet, die gespeicherten Daten über den entsprechenden Zeitraum und die behandelnden Ärzte bekanntzugeben. Als Sicherheit werden diese Unterlagen dem Antrag beigefügt. Auch ist es sinnvoll, Arztrechnungen aus der Vergangenheit so dem Antrag beizulegen. Wenn man nicht sicher ist, welche Behandlungen so in der Vergangenheit durchgeführt wurden, kann man den Versicherer auch bitten, weitere Fragen so an den Arzt zu richten.

Weist der Versicherte bei der Frage nach Vorerkrankungen z. B. auf Rückenbeschwerden hin, muss der Vermittler nach Details fragen und darf die genannten Beschwerden nicht einfach unerwähnt lassen, weil er sie für unerheblich erachtet. Kann die Versicherung nicht beweisen, dass der Versicherte die Angaben zu Vorerkrankungen unterschlagen hat, muss die Versicherung den gemeldeten Schaden so auch regulieren.

Auch ist wichtig zu unterscheiden, ob man den Antrag gemeinsam mit einem Makler oder einem Versicherungsvermittler ausfüllt. Ein Versicherungsvermittler ist Erfüllungsgehilfe des Versicherers, muss also die Interessen des Versicherers vertreten. Wenn man einem Versicherungsvermittler Vorerkrankungen mitteilt, diese aber trotzdem nicht mit in den Antrag aufgenommen werden, so wird der Versicherer so behandelt, als wüsste dieser von den Vorerkrankungen. Anders beim Makler. Der Makler muss ausschließlich die Interessen des Versicherungsnehmers vertreten.