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Schadensquotelung

Nach dem neuen VVG (Versicherungsvertragsgesetz) gilt im Schadenfall das Prinzip der Quotelung. Das bisher ausschließlich geltende Alles-oder-Nichts-Prinzip, bei dem der Versicherungsnehmer bei einer schweren Verletzung seiner Sorgfaltspflicht leer ausging, wurde abgeschafft.

Schadensquotelung bedeutet im Versicherungsfall die Kürzung der Leistung des Versicherers, wenn der Schaden durch den Versicherungsnehmer grob fahrlässig herbeigeführt oder eine Obliegenheit grob fahrlässig verletzt wurde, die Ursache für den Versicherungsfall sind. Liegt eine grobe Fahrlässigkeit vor, wird exakt festgestellt, wie hoch der Anteil des objektiven und subjektiven Verschuldens des Versicherungsnehmers ist.

Entsprechend der Beurteilung des Versicherers im Schadenfall, wie schwer die Schuld des Versicherten wiegt, darf im Ergebnis die Schadenssumme mehr oder weniger gekürzt werden.
Problematisch ist jedoch, dass es für die gesamte Branche bisher keine verbindlichen Maßstäbe gibt. Die Kürzung der Leistung liegt also im Ermessen des Sachbearbeiters, da exakte Schuldenstabellen und standardisierte Bewertungen nicht existieren. Maßgeblich bei der Beurteilung ist jedoch immer der Einzelfall.

Im Allgemeinen wird es in der Praxis so gehandhabt, dass eine einfache Fahrlässigkeit für den Versicherungsnehmer ohne Folge bleibt und seitens des Versicherers die volle Leistung erbracht werden muss. Bei grober Fahrlässigkeit wird die Leistung proportional zum Verschulden des VN gequotelt. Kann dem Versicherungsnehmer Vorsatz nachgewiesen werden, bleibt der Versicherer vollständig leistungsfrei, weil er für vorsätzliches Handeln des Versicherungsnehmers nach wie vor nicht eintrittspflichtig ist.

Die Beweislast, ob der Versicherungsfall grob fahrlässig herbeigeführt wurde, hat der Versicherer zu tragen. Nach der neuen Rechtslage gibt es im Einzelfall großen Spielraum für die konkrete Auslegung der Schwere der Schuld.