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Vorrübergehende und dauerhafte Berufsunfähigkeit

Die Arbeitskraft ist für viele Menschen die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb für diejenigen von enormer Wichtigkeit, die keine Ansprüche auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente haben, dies betrifft z. B. Berufsanfänger (die ersten fünf Jahre) und Selbständige.

Bei dem Begriff Berufsunfähigkeit wird zwischen dauerhafter und vorrübergehender Berufsunfähigkeit unterschieden.

Der Grad der Berufsunfähigkeit orientiert sich wegen einer vielfach so verwendeten Klausel in Versicherungsverträge daran, ob der Versicherungsnehmer mindestens für 6 Monate seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit so nicht mehr ausüben kann. Ist der Zeitraum von 6 Monaten überschritten, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine dauerhafte Berufsunfähigkeit eingetreten ist.

Eine dauerhafte Berufsunfähigkeit ist bei Krankheit oder Kräfteverfall erst nach einiger Zeit endgültig ärztlich feststellbar. Diese tritt ein, nachdem ein gesundheitlicher Zustand erreicht ist, bei dem eine Besserung und damit eine Widerherstellung von mindestens 50 % der Leistungsfähigkeit in absehbarer Zeit nicht mehr zu erwarten ist. Laut Versicherungsvertragsgesetz muss die versicherte Person „voraussichtlich auf Dauer“ (mindestens 6 Monate) nicht in der Lage sein, ihren Beruf auszuüben. Auch muss eine Prognose gegeben sein, die eine Berufsunfähigkeit für mehr als 6 Monate nahelegt. Dies wird vom Gutachter der Versicherung oder auch vom Gutachter des Gerichts anhand der konkret zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit gemessen. Dass die körperlichen bzw. gesundheitlichen Anforderungen an einen körperlich tätigen Handwerker größer sind, als diejenigen, welche an einen kaufmännischen Angestellten gerichtet werden, liegt auf der Hand.

Häufig wird eine eingetretene Berufsunfähigkeit zunächst für eine akute, vorübergehende Erkrankung gehalten. Ein Leistungsanspruch entsteht aber in der Regel erst mit dem Beginn des Monats, in dem die Versicherungsgesellschaft über die Berufsunfähigkeit informiert wurde. Im Vorteil ist man in diesem Fall, wenn der Versicherer auch bei verspäteter Meldung bis zu 3 Jahre rückwirkend Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erbringt.

Ab einer Krankheits-Dauer von sechs Monaten sollte man von einer Berufsunfähigkeit ausgehen, auch wenn der ursprüngliche Gesundheitszustand möglicherweise später wieder hergestellt wird.

Beispielsweise lohnt es sich auch schon, dann einen Antrag auf Leistungen auf der Berufsunfähigkeitsversicherung zu stellen, wenn man an Krebs erkrankt ist, die Ärzte aber eine Heilung nach ca. 6 -9 Monaten prognostizieren. Jedenfalls ist in einem solchen Fall davon ausgehen, dass der Prognosezeitraum von mehr als 6 Monate so erfüllt wurde.