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Zumutbare Umorganisationsmöglichkeiten bei Selbständigen

Beim Abschluß einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte man sich, wie bei vielen anderen Versicherungs-Policen auch, nicht nur nach der Höhe der Versicherungsprämie eines Vertrages richten. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, einer der wichtigsten Versicherungen überhaupt, sollte größtes Augenmerk auf die im Vertrag verankerten Klauseln und deren Bedeutung gelegt werden.

Zu einer der wichtigsten Klauseln zählt der „Abstrakte Verweisungsverzicht“. Abstrakte Verweisung bedeutet, dass der Versicherer den Versicherungsnehmer unter gewissen Voraussetzungen auf einen anderen als den bisher ausgeübten Beruf verweisen kann. Das bedeutet, dass der Versicherungsnehmer keine Leistungen erhält, wenn er aufgrund seiner Fähigkeiten und Kenntnisse theoretisch in einer anderen Tätigkeit arbeiten kann. Ob der Versicherungsnehmer in dem Beruf, auf den er verwiesen wird, eine Anstellung findet, bleibt außen vor. Wichtig ist nur, das der Versicherungsnehmer hinsichtlich seines Einkommens und seiner sozialen Stellung in dieser vergleichbaren Tätigkeit arbeiten kann.

Seitens der Versicherungsunternehmen gibt eine eine Reihe von Auslegungen des Verweisungsverzichts. Diese können beispielsweise abhängig vom Alter des Versicherungsnehmers sein oder Umschulungen im Leistungsfall beinhalten.

Vorsicht ist geboten, wenn zwar im Vertrag auf eine abstrakte Verweisung verzichtet wurde, aber der Passus „zumutbare Umorganisation des Arbeitsplatzes“ enthalten ist. Hier besteht für den Versicherungsnehmer ein Risiko, da seiten der Versicherung die „zumutbare Umorganisation“ unterschiedlich ausgelegt werden kann. Gerade für Selbständige oder mitarbeitende Inhalber eines Unternehmens wird es als zumutbar angesehen, ihr eigenes Unternehmen einer Umorganisation zu unterziehen. Im Schadensfall wär hier der Inhalt und Umfang der bisherigen Tätigkeit nachzuweisen sowie zu prüfen, ob eine Umorganisation möglich ist.

Eine Berufsunfähigkeit liegt in diesem Fall erst dann vor, wenn nachweislich unter Berücksichtigung aller möglichen Umorganisationsmaßnahmen, dazu können auch Neueinstellungen oder Kündigungen gehören, keine Tätigkeit mehr vorhanden ist, die er krankheitsbedingt noch ausüben kann.